Granatäpfel

Der Granatapfel, lat. „Punica granatum“ hat seinen Ursprung im nahen und mittleren Osten. Die primäre, genetische Herkunft liegt höchstwahrscheinlich in den Ländern von Iran, Afghanistan und Turkmenistan, wo auch eine extreme Vielfalt an natürlich entstandenen Varianten von Granatäpfeln besteht. Daneben gibt es noch weitere, sog. sekundäre „Megacenters“ im Mittelmeerraum und Ostasien, sowie tertiäre Ursprungszentren in Amerika und Südafrika.

Aufgrund der Klimaveränderung wird der Granatapfel in den kommenden Jahren auch nördlich der Alpen immer mehr an Bedeutung gewinnen und zumindest in den privaten Kleingärten Einzug halten. Er ist extrem trockenstressresistent und verträgt ab einem gewissen Alter und Grösse Hitzeperioden und Dürrejahre ohne gegossen werden zu müssen. Grundsätzlich liesse er sich an den passenden Standorten zukünftig auch hier kommerziell anbauen.

Wer sich für Granatäpfel interessiert, und sich beginnt tiefergehend damit zu beschäftigen, wird ziemlich bald von dem ehemaligen sowjetischen Botaniker Dr. Gregory M. Levin erfahren:

Dr. Levin hat über 40 Jahre seines Lebens der Erforschung des Granatapfels gewidmet und ist dafür um die ganze Welt gereist, um Granatapfelsorten von all seinen Verbreitungsorten zusammenzutragen. 1117 unterschiedliche Granatapfelsorten -die grösste Granatapfelkollektion die es jemals gegeben hat und wahrscheinlich auch nie mehr wieder geben wird- konnte er so in seiner agrikulturellen Station in Turkmenistan aufziehen und jede einzelne Sorte in seinen Eigenschaften genau beobachten und dokumentieren. Er war wahrscheinlich der erfahrenste „Punicologe“ den es jemals gegeben hat.

Mit dem Zusammenbruch der UdSSR, fielen auch die Geldflüsse nach Turkmenistan zusammen und so konnte der Fortbestand seiner Granatapfelsammlung nicht aufrechterhalten werden. Dr. Levin entschied sich, als gebürtiger Jude, ins Exil nach Israel zu gehen und seine Granatapfelgärten aufzugeben.

Jedoch sind nicht alle seiner 1117 Sorten verloren gegangen. Nach dem Zusammenbruch der UdSSR, aber auch die 40 Jahre zuvor, hat Dr. Levin sich mit anderen Botanikern ausgetauscht und dabei sind auch viele seiner gesammelten Sorten in Form von Steckhölzern, Pflanzen oder Samen um die Welt gereist und sind so bis heute erhalten geblieben.

Dank des Lebenswerks von Dr. Levin weiss man heute auch, dass manche Granatapfelsorten sehr kälteresistent sind, und ab einer gewissen Grösse und Alter auch ausgepflanzt -15 bis -20 Grad Celsius ohne jeglichen Schaden aushalten können.

Leider ist die Eigenschaft der Kälteresistenz häufig mit einer längeren Reifezeit verbunden. Besonders frühreife Sorten, sind dann oft wieder etwas kälteempfindlicher. Unter den knapp 1200 dokumentierten Granatapfelsoren von Dr. Levin gibt es aber auch einige, welche früh genug reifen und ausreichend kältetolerant sind, dass sie es auch nördlich der Alpen schaffen zu wunderschönen, äusserst gesunden und sehr schmackhaften Früchten heranzureifen.

Möchten wir in Zukunft in Liechtenstein Granatäpfel vom eigenen ausgepflanzten Baum ernten, muss man also die passenden Sorten auswählen, welchen den besten Kompromiss zwischen einer kurzen Reifezeit und guter Frostverträglichkeit bieten, da wir nicht so viele Sonnenstunden haben, wie im Iran oder in der Türkei. Auch reissen Granatäpfel bei zu viel Feuchtigkeit beim Ausreifen gerne auf. Welche Sorten nördlich der Alpen weniger “splitten” gilt es nun weiter zu beobachten.

Die Granatapfelbäume welche man in den Gartencentern kaufen kann, sind grösstensteils leider nicht zum Auspflanzen in unserem Klima im Liechtenstein und der Schweiz (ausgenommen vll. Tessin) geeignet, da es sich oftmals um Sorten handelt, die nicht genügend frostresistent sind und zu spät ausreifen.

Durch Recherche und Austausch mit Gleichgesinnten weltweit, konnte ich Pflanzenmaterial von diversen von Dr. Levin selektierten Granatapfelsorten nach Liechtenstein bringen und habe so in den letzten Jahren die ersten Granatapfelbäume aufgezogen, welche sich für das Klima hier in Liechtenstein und der Schweiz (auch nördlich der Alpen) eignen.

Natürlich muss beim Auspflanzen eines Granatapfels immer der ideale Standort ausgewählt werden, denn kein Granatapfel wird bei uns jemals im Schatten einer nordwärts gerichteten Hausfassade in guter Qualität reif werden.

2025 konnte ich hier in Liechtenstein, trotz einem äusserst nassen und kalten Jahr, die ersten eigenen Granatäpfel von mehreren Testsorten Anfangs Oktober ernten, was mich tatsächlich sehr überraschte.

Im Herbst 2026 kamen weitere Sorten dazu, welche das erste Mal Früchte lieferten, in einer Qualität die gekauften Granatäpfel aus Spanien oder der Türkei in nichts nachstehen.

Ich bin daher mehr als optimistisch dass der Granatapfel eine der Zukunfsobstsorten sein wird, welche wir auch hier regional anbauen und geniessen können.

Hier findet ihr ausserdem eine Link mit einer Tabelle zu vielen verschiedenen Granatapfelsorten und deren Ursprungsgebiet sowie einigen weiteren Infos: http://fruitsandgardening.blogspot.com/2014/12/turkmen-and-russian-pomegranates.html